Professor Dr. Walter Kamphoefner erforscht Motive der Amerika-Auswanderer

-do- Lengerich. Die weit verbreitete These von der „Entwurzelung“ der Auswanderer hat Professor Dr. Walter D. Kamphoefner in seinem Buch „Westfalen in der Neuen Welt“ eindeutig widerlegt. Einer der renommiertesten amerikanischen Forscher auf dem Gebiet der Einwanderer aus Deutschland war jetzt zu Gast beim Verein zur Förderung der Freundschaft zwischen den Städten Lengerich und Wapakoneta. Vor über 30 Zuhörern schilderte der Nachfahre von Auswanderern aus Melle im Heimathaus interessante Details zur Auswandererwelle in den Jahren um 1830. 
Dabei servierte Kamphoefner, der unter anderem auch in Münster wirkte, keine trockene Materie. Im Gegenteil. Humorvoll, aber fundiert, schilderte er den Weg der Auswanderer aus dem Osnabrücker- und insbesondere auch aus dem Tecklenburger Land in die Neue Welt. „Es handelte sich damals um regelrechte Kenntenwanderungen, bei denen ganze Dörfer buchstäblich nach Amerika verpflanzt wurden“, bemerkte Kamphoefner. Seine Daten hat er aus Auswandererlisten und US-Volkszählungsurlisten zusammengetragen. Ferner hat er Unmengen an Auswandererbriefen gelesen und ausgewertet. 
Als wichtigsten Auswanderungsgrund nannte Kamphoefner die wirtschaftliche Situation. Etwa zwei Drittel seien Ackerknechte und Heuerleute gewesen. „Die verdienten in den USA damals das vier- bis fünffache“, stellte der Referent fest. 
Nicht Ohio, wie vielfach vermutet wird, war die erste Adresse für die Auswanderer aus der hiesigen Region in den USA, sondern Missouri. „Der größte Teil kam aus Westerkappeln, danach folgten Lienen und Lengerich“, berichtet Kamphoefner. Sie siedelten sich in der Umgebung von St. Louis an. Anders verlief der Weg der Ladberger Auswanderer, die in Ohio eine neue Heimat fanden und den Ort New Knoxville gründeten. 
Viele Menschen verließen um 1840 auch Melle im Osnabrücker Land, um sich in Missouri eine neue Heimat aufzubauen. Sie trägt bis heute den Namen Neu-Melle. Und dort gibt es eine Oberhellmann-Road, benannt nach einem aus Lengerich ausgewanderten Bauersknecht, der sich in den USA einen guten Namen gemacht hat. Vorherrschende Sprache sei zur damaligen Zeit das Plattdeutsche gewesen, das auch noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gesprochen wurde. „Leider stirbt diese Sprache heute langsam aber sicher aus“, meinte Kamphoefner. 
Heimatvereinsvorsitzender Erich Knemöller hieß Walter Kamphoefner im Heimathaus willkommen. Dr. Hubertus Assig, Vorsitzender des Wapakoneta-Vereins, dankte dem Gast mit einer Festschrift über das zehnjährige Bestehen der Freundschaft mit Wapakoneta. 
Wer interessante Fakten über die Auswandererbewegung in Erfahrung bringen möchte, dem kann das Buch von Walter D. Kamphoefner „Westfalen in der Neuen Welt“, eine Sozialgeschichte der Auswanderer im 19. Jahrhundert, nur empfohlen werden. Es ist erschienen im V&R unipress-Verlag in Göttingen. 

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